Hier der Text und das Video über den Crossgolf-Kurs von RP-Plus.
Crossgolf erlebt in Deutschland einen regelrechten Boom. Die Spieler treffen sich irgendwo im Wald, auf einer Baustelle oder in einer Kiesgrube und spielen Golf – ganz ohne Regeln und mit teilweilse skurrilen Zielen. RP Plus hat den ersten Crossgolf-Kurs an der Kölner Universität besucht.
Freitagnachmittag im Kölner Stadtwald. Tim Estermann und sein Freund Rudi Rudloff führen uns auf eine große Wiese. Zwölf junge Menschen laufen mit einem Golfschläger bewaffnet über das Grün und schlagen den Ball auf kleine Tore oder eine Bank. Crossgolf heißt der Sport, der immer mehr Menschen in seinen Bann zieht. Deshalb hat Crossgolf-Fan Estermann den ersten Crossgolf-Kurs an der Kölner Uni ins Leben gerufen. Einmal die Woche treffen sich die Kurs-Teilnehmer im Wald und spielen Golf – fast ganz ohne Regeln und Löcher.
„Bei uns gibt es nur eine Regel: Safety first. Wir wollen niemanden verletzen, ansonsten sind die Spieler in dem, was sie tun, vollkommen frei“, sagt Estermann. Heißt: Löcher wie auf einem „normalen“ Golfplatz gibt es nicht, die Spieler suchen sich vor jeder Runde ein neues Ziel aus. „Das kann eine Bank sein, ein Baum oder irgendetwas anderes, das die Natur hergibt“, sagt Estermann, der den Studenten die richtige Schlagtechnik beibringt. „Mehr mache ich eigentlich nicht. Ich will den Leuten den Sport ein bisschen näher bringen. Sie sollen Spaß haben, so wie wir Crossgolfer auch“, sagt er.
Wenn Estermann nicht gerade Studenten an den Trendsport heranführt, geht er selbst in die Natur und spielt. Und das nicht nur im Wald. Ob auf Baustellen oder in Kiesgruben – Crossgolf wird überall gespielt, die „Löcher“, die unter den Golfern Ziele genannt werden, sind frei wählbar. „Das verrückteste Ziel, auf das ich einmal gespielt habe, war eine Waschmaschine“, erinnert sich Estermann.
Vor rund 15 Jahren feierte Crossgolf in Deutschland seine Geburt. „Die Hamburger waren die ersten, von da ist es nach und nach zu uns herübergeschwappt“, sagt Rudloff, der sich mindestens einmal pro Woche mit seinen Freunden zu einer Runde Crossgolf trifft. „Ich habe immer einen Schläger und Bälle im Auto. Wenn ich mal spontan eine Runde spielen will, ist das kein Problem“, sagt er. Genau das ist der Vorteil am Crossgolf: Die Spieler brauchen nur einen Schläger und Bälle, mehr nicht. Keine Platzreife, keine horrenden Kosten, um in einem Golfklub eine Runde zu spielen. „Jeder kann Crossgolf spielen, weil es quasi umsonst ist. Das ist auch der große Reiz daran“, sagt Rudloff.
Entstanden ist der Sport Erzählungen zufolge in Schottland. Die Schäfer auf der britischen Insel spielten querfeldein und suchten sich selbst ihre Ziele. Als 1754 in St. Andrews der erste Golfklub der Welt eröffnet wurde, wurde Crossgolf vom Spielen auf einem „normalen“ Platz mit vorgegebenen Löchern abgelöst. „Crossgolf wird oft als die Rückbesinnung auf die schottischen Schäfern beschrieben“, erklärt Rudloff.
Wer glaubt, Crossgolf, auch „Urban Golf“ genannt, fordere den Körper nicht, irrt. „Wenn man fünf, sechs Stunden an der Luft ist und die ganze den Bällen hinterherläuft, merkt man nachher schon, was man getan hat“, sagt Rudloff. Stichwort Bälle: Beim Crossgolf geht „die meiste Zeit für das Bällesuchen drauf“, erklärt Estermann. Auch die Studenten im Kölner Stadtwald suchen in den Gebüschen nach ihren Spielgeräten, nachdem ein Schlag missglückt.
Die Atmosphäre bei den Crossgolfern ist entspannt, nicht so ernst wie in einem Golfklub. „Es ist hier alles ein bisschen lockerer, wir machen uns keinen Stress und haben Spaß an dem, was wir tun“, erklärt Rudloff das Phänomen der Trendsportart, die in den meisten Städten NRWs erlaubt ist. „Wir spielen nur nicht auf einem Gelände, wo 'Betreten verboten'-Schilder hängen. Ansonsten kann man überall spielen. Es ist ja nichts anderes, ob ich mit einem Fußball oder einem Golfschläger auf die Wiese gehe“, sagt Rudloff, während sich die Studenten des Kurses nebeneinander aufstellen und über das nächste Ziel diskutieren. Dann beginnt die nächste Runde.
Info:
Unter www.pottgolf.de verabredet sich die Community zum gemeinsamen Crossgolf am Wochenende. Ansprechpartner und Webmaster ist Tim Estermann.